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Unbenannt-1 Viele Menschen erleben es als sehr wertvoll, einer geregelten Arbeit nachzugehen und sie empfinden ihren Job als wichtigen Bestandteil und Anker in ihrem Leben. Arbeit kann aber auch zur Belastung werden. Stress, Überstunden, Konkurrenzdruck oder unklare Arbeitsanweisungen können dazu führen, dass das Berufsleben zunehmend als schwierig und belastend erlebt wird. Dies ist der Grund, dass seit 1. Jänner 2013 Unternehmen ihre Mitarbeiter neben körperlichen Gefahren auch vor psychischer Belastung schützen müssen.

Im Berufsalltag benötigen Mitarbeiter ein gewisses Maß an Herausforderung um die optimale Leistung erbringen zu können. Überschreiten die Rahmenbedingungen jedoch über einen längeren Zeitraum ihr individuelles Stressniveau, dann kann die richtige Balance zwischen Anspannung und Entspannung nicht mehr hergestellt werden. Wer unter seinen Arbeitsbedingungen leidet hat also eine hohe Wahrscheinlichkeit, davon auch langfristig krank zu werden. Beispiele für psychische Belastungen sind: häufige Störungen, mangelnde Informationen, fehlende Kommunikation, permanenter Lärm, mangelnde Wertschätzung von Vorgesetzten, Kommunikations- und Informationsmängel, schlechte Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation – also Einflüsse, die von außen auf die Psyche der Mitarbeiter wirken.

Die OECD-Studie „Sick on the Job?“ sah sich die Situation von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz genau an und kam zu dem Ergebnis, dass es Aufgrund von schweren und mittelschweren psychischen Belastungen mehr als doppelt so oft zu Fehlzeiten kommt als bei körperlicher Belastung, aber auch die Qualität der erbrachten Arbeitsleistungen wird bei psychischer Belastung negativ beeinflusst. So gaben 74 % der Betroffenen in der OECD-Studie an, dass ihre Produktivität am Arbeitsplatz in den letzten 4 Wochen reduziert oder beeinträchtigt war. Ein gutes Beispiel für die negativen Auswirkungen von längerfristigen Belastungen zeigt auch eine weitere Studie, wo festgestellt wurde, dass 80 % aller Wirbelsäulen- und Rückenbeschwerden nicht Aufgrund von körperlicher Überbelastung, sondern Aufgrund von seelischer Belastung verursacht werden.

Um solche Belastungen zu verringern bzw. im Vorfeld zu verhindern, schreibt das Arbeitnehmerschutzgesetz deshalb seit Jänner 2013 vor, dass alle Unternehmen eine Evaluierung zur Vermeidung von Belastungen am Arbeitsplatz durchführen müssen. Es müssen also neben körperlichen Gefahren am Arbeitsplatz auch die psychischen Faktoren überprüft werden. Der Prozess kann betriebsintern angeleitet oder von externen Präventivfachkräften und Spezialisten auf diesem Gebiet begleitet werden.

 Arbeitsplatzevaluierung mit professioneller Begleitung sinnvoll

Die Evaluierung können theoretisch auch firmenintern geschulte Mitarbeiter durchführen, allerdings bedarf es dazu mehrerer Kompetenzen, wie Erfahrung in der Moderation von Gruppen, sowie fachliche Kompetenz und Wissen über das Verfahren. Daher ist es für kleinere und mittlere Unternehmen empfehlenswert, sich bei der Evaluierung von externen Experten begleiten zu lassen. Bei der Begleitung durch externe Experten bleibt die Anonymität jedes einzelnen gewahrt und nimmt den Mitarbeitern die Angst, ihr psychisches Befinden vor dem Chef öffentlich zu machen. Dadurch, dass bei einer externen Beratung auch sämtliche Befragungsergebnisse vollkommen anonym bleiben, ist diese Art der Prozessbegleitung sicherlich vorteilhaft für den Prozess. Die Umsetzung liegt dann wiederum in den Händen des Unternehmens.

Maßnahmen oft mit geringen Kosten möglich

Dass bei der Implementierung unerwartete Kosten auf die Betriebe zukommen, ist in der Regel nicht zu befürchten, weil viele Maßnahmen ohne hohe Investitionen in Angriff genommen werden können. Wenn Prozesse ordentlich organisiert werden, dann ist schon viel getan. Weiß der Mitarbeiter für sich stimmig, was im Moment gerade A – Priorität hat und kann er dies auf der Sachebene auch gut bewältigen, dann fühlt er sich wohl.

Schritte und Methoden zur Durchführung

Das Prozedere der Evaluierung besteht aus mehreren Schritten und beginnt mit der Ermittlung des Ist – Zustandes, also der Suche nach möglichen Belastungen. Liegen die Problemfelder auf dem Tisch muss der Arbeitgeber reagieren und Maßnahmen in die Wege leiten, um eine Verbesserung zu erzielen. Arbeitsbedingte Stressfaktoren können sein: widersprüchliche Arbeitsaufgaben, Arbeitsverdichtung, unangemessene Zeit- und Terminvorgaben, ständige Erreichbarkeit, immer gleiche Arbeitsvorgänge, Informationsmangel oder Überflutung, knappe Personalressourcen, Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, häufige Unterbrechungen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, häufige Wiederholung, fehlende Handlungsspielräume, mangelnde Beteiligungsmöglichkeit, isoliertes Arbeiten ohne Möglichkeit zu sozialen Kontakten, fehlende Unterstützung durch Vorgesetze.

In der Regel sind zwei bis drei Workshops notwendig um gemeinsam die stärksten Belastungen zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Diese werden nach Genehmigung der Geschäftsleitung nach Prioritäten gelistet und umgesetzt. Nach erfolgter Umsetzung muss regelmäßig überprüft werden, ob die gewünschten Effekte eingetreten sind, bzw. die gewünschte Wirkung erzielt wurde.

Dokumentation im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument notwendig

Die Evaluierung und deren Ergebnisse müssen dokumentiert werden und in das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument laut § 5 ASchG eingetragen werden. Weitere Überprüfungen haben laut Gesetz regelmäßig zu erfolgen und sind speziell immer dann notwendig, wenn sich Rahmenbedingungen im Betrieb grundlegend verändern. Für die Kontrolle ist das Arbeitsinspektorat zuständig, wobei bei Säumigkeit Verwaltungsstrafen von 166 Euro bis 8.324 Euro drohen, im Wiederholungsfall sogar bis zu 16.000 Euro.

Nicht das Verhalten des Einzelnen steht im Vordergrund

Mitarbeiter haben möglicherweise Angst, dass sie nun ihr psychisches Befinden offen legen müssen, was allerdings in diesem Prozess auf keinen Fall geschieht. Zweck der Evaluierung ist nicht die Begleitung einzelner Mitarbeiter, sondern das Optimieren der Rahmenbedingungen für die gesamte Belegschaft. Es werden also jene Faktoren berücksichtigt, die von außen auf Mitarbeiter einwirken und nicht deren individuelle Psyche.

Die Evaluierung behandelt nicht nur negative Belastungen

Immer wieder trifft man bei Unternehmen auf die Angst, dass eine mögliche Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern durch diesen Prozess noch verstärkt wird, es zeigt sich aber in der Realität, dass durch die Einbeziehung aller Mitarbeiter es zu einer sehr positiven konstruktiven Mitarbeit kommt. Bei der Evaluierung legen die Prozessbegleiter auch Wert darauf, dass oft nicht wahrgenommene Ressourcen genauso behandelt werden, und in den Vordergrund rücken, wie die umzusetzenden Maßnahmen. Unternehmer erleben es oft auch als sehr hilfreich, sich in die Welt ihrer Mitarbeiter hineinversetzen zu können, sie erhalten dadurch die Möglichkeit ihren Blick zu schärfen und in Zukunft Belastungen bereits im Vorfeld abzufangen.

Die AUVA fördert mit Unterstützung der WKO Betriebe in Oberösterreich

In Oberösterreich können Betriebe, die sich extern von Beratungsunternehmen begleiten lassen (siehe Liste der geförderten Berater) eine geförderte Beratung in Anspruch nehmen. Die Förderung beträgt maximal € 1.000,–. Das bedeutet, dass sich die verbleibenden Kosten um diesen Betrag verringern. Die Anmeldung zur geförderten Beratung erfolgt über die WKO unter: 05 9090 3635

 

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