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Kürzlich war ich wieder einige Tage mit einer Gruppe auf dem Jakobsweg unterwegs. Es ist auch für mich dabei immer wieder erstaunlich, wie „zugemüllt“ Menschen dabei am ersten Tag sind und wie wenig sie dadurch die Natur wahrnehmen. Andererseits ist es sehr schön zu beobachten, wie schnell die „Kraft der Natur“ es möglich macht, wieder mit sich in Kontakt zu kommen.

Seit vielen Jahren kommen Personen in meine Praxis mit dem Auftrag sie so schnell wie möglich wieder funktionsfähig zu machen. Sie klagen über Erschöpfung, Müdigkeit und Überlastungssymptome. Ganz erstaunt reagieren sie dann, wenn ich ihnen nach dem Erstgespräch den Auftrag gebe, vorerst eine gewisse Zeit jeden Tag mindestens eine halbe Stunde in die Natur zu gehen, dies aber ohne Handy, Hund, Partner oder anderen Ablenkungen.

Oft erlebe ich dann eine fast enttäuschte Reaktion und Aussagen wie: “ Ich möchte schon aktiv etwas tun und nicht einfach sinnlos im Wald herum laufen“ höre ich nicht selten. Wenn ich ihnen dann sage, dass diese Aufgabe zwar einfach, aber alles andere als leicht sei, treffe ich Anfangs oft auf Unverständnis. In der Regel geschieht dann aber folgendes: Die Klienten berichten beim zweiten Treffen, dass sie es nicht oder nur selten geschafft haben, meiner Aufgabe Folge zu leisten, weil sie einfach keine Zeit dafür gefunden haben, aber genau hier liegt eine der Grundursachen für Stress, Überlastung und Unruhe.

Wenn der Topf voll ist, ist er voll!

Oft genug erlebe ich, dass überlastete Menschen „in ihrer Welt“ glauben, dass es weiterer Anstrengungen bedarf, um zur Ruhe zu kommen. Dies sollen geführte Entspannungstechniken, teils weltfremde Yogaübungen, kräfteraubende Selbsterfahrungstrips und andere Werkzeuge sein. Sie haben keine Vorstellung davon, dass tatsächlich der Aufenthalt in der Natur ohne bestimmte Aktivitäten oft der beste Psychotherapeut ist. Sie wollen den vollen Krug mit weiteren Tätigkeiten noch mehr anfüllen.

Kürzlich kam ein hektischer und erschöpfter Unternehmer zu mir, um mir mitzuteilen, dass er sich vollkommen überfordert fühle, obwohl er sich jeden Tag am Abend in seine Laufschuhe quälen würde, um den Tag mit einem gesunden Laufpensum von einer Stunde zu beenden. Dass er dabei auf den nächsten Marathon trainiere, erzählte er nur beiläufig. Ist es da verwunderlich, dass der Körper um so lauter um Hilfe schrie, obwohl der Betroffene in seiner Welt überzeugt war, dass er gut auf seinen Körper achten würde, da ja Sport als Ausgleich am Abend gesund sei?

Der Wald und die Natur als bester Therapeut

Auch ich habe mich am Anfang meiner Coachingtätigkeit verführen lassen, den Hilfesuchenden gute Ratschläge zu geben, ihr Zeitmanagement zu verbessern, Yoga -oder Entspannungskurse zu besuchen und fixe Zeiten für Sport und Kino in den Terminkalender einzutragen. Das Ergebnis war meist, das sich die Betroffenen am Ende noch schlechter fühlten, da sie das alles nicht geschafft haben. Geläutert durch diese Erfahrungen gehe ich nun einen anderen Weg, indem ich Sie unterstütze, aus weniger mehr zu machen.

Zusätzlich zu der Aufforderung für regelmäßige Auszeiten motiviere ich Betroffene zum Beispiel regelmäßig, sich gemeinsam mit mir einige Tage in die Natur zu begeben und dies nur mit dem notwendigsten Gebäck. Egal ob dies die gestresste Bankerin aus Deutschland, der IT-Techniker aus der Schweiz oder die Lehrerin aus dem südlichen Österreich ist, alle berichten nach den Wanderungen von erstaunlichen Veränderungen.

Die Natur schärft alle Sinne

Gut in Erinnerung ist mir der IT-Manager, der am ersten Tag mehrere Weinbergschnecken am Weg mit seiner Unachtsamkeit mit den Füßen zertrat und dies mit den Worten: “ Ach wieder so ne doofe Schnecke“ kommentierte. Am zweiten Tag beobachtete ich ihn, wie er begann Würmer und Käfer zu retten, die dabei waren die Straße zu überqueren.

Eine zweite Begebenheit machte mich auch nachdenklich. Neben verschiedenen spirituellen Impulsen, lade ich die Teilnehmer täglich ein, einige Zeit schweigend zu gehen. Dies deshalb, weil natürlich in jeder Gruppe „Vielredner“ dabei sind und die anderen dadurch von Ihnen geschützt werden. Als wir am dritten Tag schweigend durch einen Licht durchfluteten Wald gingen, klopfte mir die Bankerin auf die Schultern um mir zuzuflüstern“ Gottfried, hörst Du die vielen Vögel.“ Sie war ganz entzückt und erzählte mir bei der anschließenden Rast, dass sie diese schon jahrelang nicht mehr bemerkt hätte.

Die Natur beflügelt die eigene Spiritualität

Viele Menschen sind auf der Suche nach Spiritualität, können aber mit dem Wort “ Gott“ wenig anfangen, da sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder sich davon eingeengt fühlen. Ich weiß aus meinen eigenen Erfahrungen allerdings, wie sehr die Kraft der Natur sozusagen mit dieser „Gottkraft“ zu vergleichen ist. Deshalb versuche ich meinen Klienten zu vermitteln, das es nicht unbedingt notwendig ist, regelmäßig in eine Kirche zu gehen oder sich in ein Kloster zurückzuziehen, um dort „seinen Gott“ zu besuchen. Diese Kraft findet man auch in der Natur. In unzähligen Begegnungen habe ich erlebt, dass sie hier unser bester Lehrer ist, diese Urkraft in uns wieder neu zu entdecken und die “ leere Batterie“ von dieser Kraft wieder befüllen zu lassen.

auf dem Weg ......

Meine Klienten bekommen keine weltfremden Konzepte von mir, auch wenn es angeblich erste wissenschaftliche Untersuchungen gibt, dass Baumumarmungen heilend wirken. Ich versuche die Betroffenen mit einer einfachen und klaren bodenständigen Botschaft erreichen. Dass dies auf eine hohe Zustimmung trifft, habe ich schon bei unzähligen Begegnungen erfahren.

Meine Erfahrungen zeigen ganz klar, dass sich Menschen in kurzer Zeit positiv verändern, wenn sie die Kraft der Natur in sich aufnehmen. Diese Erkenntnisse und die vielen Werkzeuge, die ich bei meinen Begleitungen den Klienten zur Verfügung stelle, sind eine wesentliche Unterstützung auf ihrem Weg zu mehr Achtsamkeit, Selbstkompetenz und einem Gefühl von Selbstverantwortung für sich selber und der Umwelt.

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