……so oder ähnlich würde Joseph Mohr heute den Text für das allseits bekannte Weihnachtslied texten. Was früher die stillste Zeit im Jahr war, ist heute die schrillste und hektischste Zeit.

Weihnachtsmann mit Rute - Was läuft da falsch?

Ruth Rudolph Pixelio.de

Jedes Jahr übertreffen sich die Neuheiten auf den Christkindlmärkten. Desto kitschiger, desto besser. „Wir wollen dem Kunden signalisieren, dass jetzt die Zeit ist etwas zu kaufen!“, so die Aussage einer „Standlfrau“ bei einem Weihnachtsmarkt im November. Aber nicht nur Weihnachtsmärkte versuchen die Adventzeit noch etwas auszudehnen, auch die Geschäfte beginnen bereits Anfang November mit der Weihnachtsdekoration. Viele Kunden erleben es als befremdend, wenn nach Allerheiligen die ersten Weihnachtskugeln in den Auslagen glänzen. Immer außergewöhnlicher werden die Dekorationen: Sogar blinkende Weihnachtsmänner mit Rentieren fliegen aus den USA ein. Ist das die besinnliche, ruhige Zeit???

Der Umsatz steht an erster Stelle!
Irgendwie beginnt bereits Anfang November eine eigene Dynamik. Fast so wie beim Endspurt eines Marathons. Und alle Nutznießer lassen sich etwas Besonderes einfallen: Weihnachtsgewinnspiele, kunstvolle Weihnachtsmärkte, schillernde Sonderangebote, pompöse Weihnachtsgeschenke, marktschreiende Werbung und überdimensionale Dekorationen in den Einkaufszentren. Viele Geschäftsinhaber sagen: „Im Vordergrund steht für uns der finanzielle Erfolg und nicht die Stille. Schließlich ist die Adventzeit die umsatzstärkste Zeit!“

Frühere Bräuche verlieren zunehmend an Wichtigkeit!
Die früheren Bräuche – gemeinsam um den Adventkranz vereint ein paar besinnliche Lieder zu singen – werden immer weniger gelebt, heute tobt der Advent und viele meinen: „Eigentlich freue ich mich ja auf Weihnachten, aber alles artet in Stress aus: Was braucht die Oma? Was soll ich meinen Kindern schenken? Wie belohne ich meine Kunden / Mitarbeiter für Ihre Treue?“ Manche würden sich Silvester- und Weihnachtsfeiern am liebsten wegwünschen, da sie diese Tage oft nur mehr als Stress und übertriebene Sauforgien erleben? Für viele ist der Leidensdruck enorm und nicht ohne Grund fällt auf, dass gerade die stille Zeit die höchste Gefahr für Burnout und Ausgebrannt sein bedeutet.

Gemeinsame Werte in der Adventzeit – gibt es die noch?
Viele Studien belegen, dass immer mehr Menschen nicht mehr wissen, wie es überhaupt zur Advent- und Weihnachtszeit gekommen ist. Für diese ist es lediglich eine Zeit, wo man einander etwas schenkt, ein paar freie Tage mit gutem Essen und Trinken genießen kann. Aber gerade hier sind Eltern oder Großeltern gefordert: Sie haben den meisten Einfluss auf die Kinder und es ist ein großer Unterschied, ob der Sohn oder die Tochter am Abend vor dem Computer sitzt, um mit seinen Freunden auf Facebook zu chatten oder ob die Eltern mit ihren Kindern wenigstens einmal pro Woche einen gemeinsamen Abend verbringen.

Vielen fehlt in der Adventzeit die „innere“ Ruhe.
Wenn die Kirchenglocken läuten und die Bläser weihnachtliche Weisen spielen, dann berichten Menschen über eine innere Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Aber viele erreicht die Kirche nicht mehr. Und doch hat jeder tief in seinem Inneren Sehnsucht nach Gott. Wo findet man heute noch Plätze der Ruhe und Besinnung? Es muss nicht ein fernöstlicher Tempel sein. Eine halbe Stunde in einem ruhigen Kirchenraum verweilen, kann sehr entstressend wirken.

Klöster haben nicht nur in der Weihnachtszeit hohen Zulauf!
Immer öfter gehen Menschen nicht nur in der Adventzeit oder über Silvester in Klöster, um sich dort in die Stille und Ruhe der meist jahrtausend alten Mauern zurückzuziehen. Egal ob sie das schön restaurierte kleine Kapuzinerkloster in Irdning (www.kapuziner.org), das St. Antoniuskloster in Grein (http://haus-st-antonius.npage.at) oder einen anderen Ort der Stille wählen, viele berichten nachher von einmaligen Erfahrungen.

Auch einen Newsletter mit besinnlichen Texten kann man sich in der Adventzeit bestellen. Es ist dabei unwesentlich ob man kirchennahe eingestellt ist. Diese mit mehreren Kooperationspartnern ins Leben gerufene Homepage ist eine ausgezeichnete Möglichkeit der Hektik der Adventzeit zu entfliehen. Unter (http://www.dioezese-linz.at/bibel) kann man den Newsletter abbonieren und bekommt regelmäßig Impulse zur Besinnung und Innenschau.

Die äußere schrille Zeit kann auch wieder zur inneren stillen Zeit werden
Wenn man sich von der hektischen Adventzeit, von dem Kitsch, Trubel und den Hetzjagden durch volle Läden nicht mehr gefangen nehmen lässt, dann wird einen das Fest nicht mehr nerven und der Wunsch, auf eine einsame Insel zu fliehen, verschwinden. Wenn man es schafft, sich wieder auf das Ursprüngliche dieser stillen Zeit mit der Vorbereitung auf die Geburt Christi zu besinnen, dann bekommt die Weihnachtszeit wieder ihren ursprünglichen Sinn. Dann muss man nicht „Schrille Nacht, eilige Nacht“ singen, sondern kann voller Inbrunst eines der schönsten Lieder, die für diese Zeit jemals komponiert wurde, singen: Stille Nacht, heilige Nacht…

Einige Tipps um zumindest einmal in der Woche die Spirale der Überreizung anzuhalten.

• Was wäre wenn die Familie anstelle der Fertigpizza gemeinsam mit den Kindern etwas kocht?
• Denken Sie daran, was Ihre Großeltern oder Eltern mit Ihnen in der Adventzeit unternommen haben
• Machen Sie einen Spaziergang in der (hoffentlich) verschneiten Landschaft.
• Gestalten Sie zumindest einmal pro Woche einen Abend am Adventkranz und lassen Sie den Fernseher ausgeschaltet.
• Wechseln Sie Ihre Blickrichtung – keiner zwingt Sie dazu, durch Geschäfte zu hetzen.
• Schreiben Sie gemeinsam mit den Kindern oder Enkeln einen Wunschzettel an das Christkind.
• Gestalten Sie Ihre Freizeit mit Dingen, die Ihnen Freude bereiten.
• Gönnen Sie sich ein interessantes neues Buch oder schreiben Sie einfach wieder einmal jemandem, den Sie mögen, einen Brief!
• Laden Sie die Kinder oder Enkel dazu ein, gemeinsam etwas zu basteln.
• Hören Sie gemeinsam schöne Musik bei Kerzenschein.
• Halten Sie Rückschau auf das was war und fühlen Sie in sich hinein, was Sie sich von den kommenden Monaten erhoffen.
• Suchen Sie weiches Moos im Wald und bauen Sie mit den Kindern oder Enkelkindern ein Kripperl
• Schnitzen Sie Kripperlfiguren oder basteln Sie einen Holzzug

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