Hunderttausende Österreicher sind chronisch unglücklich. Sie schlafen schlecht und fühlen sich überfordert. Was tun? Psychotherapie, Kegeln gehen, Glückspillen schlucken?

 Die Pharmaindustrie stellt für die Klientel der Unglücklichen wunderbare Mittel zur Verfügung. Sie tilgen Depressionen aus dem Gehirn, blasen Neurosen, Angst und Spannungszustände weg und lassen Panikattacken schmelzen wie Butter in der Pfanne. Mehr als 300 Psychopräparate sind in unseren Apotheken vorrätig und sie werden immer zahlreicher. Jeder Österreicher – so die Statistik – kauft sich im Durchschnitt jedes Jahr genau eine Packung „Psychodrogen“ für seine wunde Seele. Aber macht sie der Pillenberg wirklich glücklich?

Für wirklich Kranke, sind die bunten Tabletten richtig angewandt tatsächlich ein Segen. Für viele andere aber, die ihren Frust mit Hilfe solcher Präparate wegzaubern wollen, sind sie ein Fluch, weil sie verhindern, sich mit den Botschaften der Beschwerden auseinanderzusetzen. Viele Ärzte verschreiben die als „Happy Pills“ bekannten und beworbenen Medikamente sehr häufig. Es fehlt ihnen die Zeit, sich mit dem Patienten eingehend zu beschäftigen, um die Gründe für die Angst oder Depression zu finden. Und weil die Tabletten so wirksam sind, kommen die Patienten gern und zufrieden wieder in die Praxis, nur um noch mehr davon zu verlangen. Psychische Tiefen gibt es nicht mehr, aber auch Höhen werden nicht mehr erlebt.

Der Ursprung bleibt unerkannt

Tranquilizer dämpfen Gefühl und Bewusstsein wie ein Wattebausch, doch die Erlösung, die sie zu geben scheinen, ist trügerisch. Das Leben fühlt sich mit ihnen weniger schrecklich an. Die Ursachen des seelischen Missvergnügens bleiben unter der pharmakologischen Abwehrkruste weiter bestehen, ebenso Ängste und Depressionen. Statt sich aktiv mit dem Ursprung seiner Probleme auseinanderzusetzen, lullt sich der Patient chemisch ein. Medikamente wirken vielfach so, als wenn ein Brandmelder entsorgt werden soll, weil er dauernd beim Feuer schrill tönt. Statt das Feuer zu bekämpfen wird der Brandmelder bekämpft. Aber – um bei dieser Metapher zu bleiben – das Feuer soll auch nicht gelöscht werden, sondern so weit beeinflusst werden, dass es nützlich ist.

Menschen sollen Verantwortung für sich übernehmen

Es braucht mehr Einrichtungen und Institute, die Menschen mit Depressionen einfühlsam und kompetent begleiten. Dies soll Betroffene unterstützen, die eigenen Kräfte wieder zu entdecken und ihre Abgrenzungsfähigkeit zu stärken. Es ist oft erstaunlich zu erleben, wie Betroffene dann bereits nach wenigen Wochen von einer deutlichen Steigerung ihres Wohlbefindens und Gesundheit berichten.